Kleidung ist mehr als Stoff: Sie erzählt, wer wir sind, zu welcher Gruppe wir gehören möchten und wie wir von anderen gesehen werden wollen. Besonders für Jugendliche spielt Mode eine wichtige Rolle bei der Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Individualität. Gleichzeitig kaufen wir heute mehr Kleidung als je zuvor – oft günstig und ohne darüber nachzudenken, woher sie kommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde.
Im Zentrum der Bühne steht ein riesiges Textil, zusammengesetzt aus gesammelter Altkleidung aus „Zu verschenken“-Kisten aus verschiedenen Berliner Stadtteilen – eine großformatige textile Landschaft, die abwechselnd zur Bühne, zum Kostüm, zum Hindernis und zum Mitspieler wird.
Die Inszenierung verbindet zeitgenössischen Tanz, Performance, Musik und visuelle Kunst zu einem sinnlichen Theatererlebnis. Sie macht globale Produktionsketten, Ressourcen-Verbrauch und soziale Ungleichheiten durch Bilder, Körper und Emotionen erfahrbar. Sie schafft einen Raum, in dem Jugendliche ihre eigenen Erfahrungen mit Mode, Konsumdruck, Statussymbolen, Nachhaltigkeit und Selbstinszenierung wiederfinden können.
Idee & Konzept & Bühne: Ini Dill
Bühnen-Performance & Kostüme: Ini Dill, Elly Fujita, Katja Scholz
Puppenspiel & Technik: Daniel Drabek
Musik: Sabine Bremer
Fotos: Paolo Gallo, Dieter Hartwig, Arno Declair
Videodokumentation: Arne Nitzsche
Auf dieser Bühne hat der Stoff sozusagen „die Hosen an“ und dominiert diejenigen die sich damit ausstaffieren. (…) Ini Dill macht sichtbar, wie Kleidung mit Sehnsüchten Erwartungen und Ängsten verbunden ist, gar zur Reliquien werden kann oder zum letzten Hemd. (…) Ohne Zeigefinger Richtung korrekter Konsumhaltung wird hier physisch sichtbar, wie wir alle uns dem kapitalistischen Kleidungstheater nicht entziehen können.
Rolf Kemnitzer/ freier Autor
Mit einer Trash-Ästhetik, die aus der sorgfältigen Klassifizierung und dem Einsatz bereits vorhandener Ressourcen entsteht, entwickelt Street Fabrik eine prozess- und forschungsorientierte Performance (…) Die Choreografin und Tänzerin Ini Dill hat über mehrere Monate hinweg eine große Menge an Kleidungsstücken auf den Straßen Berlins gesammelt und nutzt diese als Grundlage, um eine besondere Geschichte zu erzählen, die die Welten von Mode und Tanz miteinander verwebt. Die Prämisse wird während der gesamten 90-minütigen Performance in einem temporären Container im Haus der Statistik stoisch verfolgt (…)
Tanzschreiber 29. Mai 2023, Richard Pettifer